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Bauchspeicheldrüse (Pankreas)

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie wird das gesamte Spektrum der operativen Therapie an der Bauchspeicheldrüse angeboten.

Anatomie und Funktion
Die Bauchspeicheldrüse ist etwa 15 bis 20 cm lang, 3 bis 4 cm breit und etwa 1 bis 2 cm dick. Sie wiegt zwischen 70 und 100 g und liegt im Retroperitonealraum zwischen Leber, Magen, Milz und den großen Blutgefäßen des Bauchraumes. Sie ist von läppchenartiger Struktur und wird in drei Abschnitte gegliedert: Den Pankreaskopf, den Pankreaskörper und den Pankreasschwanz, welcher die Milz an seiner Pforte erreicht. Das hormonproduzierende Pankreas nimmt etwa 2 % des Gesamtvolumens ein.

Die Bauchspeicheldrüse besteht aus einem exokrinen und einem endokrinen Anteil. Der endokrine Anteil wird von den sogenannten Langerhansschen-Inselzellen repräsentiert, welche inselartig im gesamten Bauchspeicheldrüsengewebe eingestreut sind. Hier werden Hormone produziert und in den Blutkreislauf ausgeschüttet. Die Inselzellen produzieren verschiedene Hormone und bestehen aus verschiedenen Arten von Zellen: Die A-Zellen produzieren das Hormon Glukagon, welches der Gegenspieler des in den B-Zellen gebildeten Hormons Insulin ist. Der überwiegende Anteil der Inselzellen besteht aus B-Zellen. Gemeinsam regeln die Hormone Insulin und Glucagon den Blutzuckerspiegel.

Des Weiteren finden sich Somatostatin-produzierende D-Zellen, PP-Zellen, welche pankreatisches Polypeptid bilden, und Grelin-synthetisierende E-Zellen.

Der exokrine Anteil des Pankreas bildet täglich etwa 1,5 l Verdauungssäfte und gibt diese über ein Gangsystem in den Zwölffingerdarm ab. Dieser Saft enthält wichtige Enzyme, die für die Aufspaltung der Nahrungsbestandteile unverzichtbar sind. Sogenannte Amylasen spalten Kohlehydrate, Lipasen, verdauen Fette und Proteasen-Eiweißverbindungen. Der Verdauungssaft wird im Hauptgang gesammelt, welcher sich im Bereich des Zwölffingerdarms mit dem Gallengang vereinigt. Gemeinsam werden diese Sekrete in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet. Dort werden die Enzyme aktiviert und die vom Magen kommende Nahrung verdaut.

Die Zerlegung der Nahrungsbestandteile in kleinste Stücke ist notwendig, damit der Körper diese über den Darm aufnehmen kann. Fehlen diese Enzyme, werden unverdaute Speisen in das Darmlumen befördert. Dies kann zu erheblichen Durchfällen, Blähungen und auch Bauchschmerzen führen. Zudem kommt es durch Fehlen der Aufnahme der Nahrung in den Körper zur stetigen Gewichtsabnahme.

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Die wichtigsten (chirurgisch behandelbaren) Krankheitsbilder der Bauchspeicheldrüse sind:

  • Akute Pankreatitis
  • Chronische Pankreatitis
  • Bauchspeicheldrüsentumor

Eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) tritt plötzlich auf, hier kann es zur Aktivierung der in der Drüse produzierten Enzyme kommen, welche die Bauchspeicheldrüse von innen zerstören (verdauen). Meist entsteht die akute Pankreatitis durch übermäßigen Alkoholkonsum oder durch Gallensteine, die den Ausführungsgang verstopfen. Auch übermäßige Nahrungszufuhr, Nebenwirkungen von Medikamenten, Infektionen oder auch autoimmune Prozesse können eine akute Pankreatitis auslösen. Verläuft die Erkrankung schwer, ist es unter Umständen notwendig, die entstandenen Komplikationen chirurgisch zu behandeln (Entfernung von abgestorbenem oder angedautem Gewebe).

Auch bei der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung kann eine operative Behandlung notwendig werden. Das operative Spektrum reicht hier von einfachen Zystenableitungen bis zur kompletten Entfernung der Bauchspeicheldrüse mit Teilentfernungen von anderen Organen.

Neben den Entzündungen ist die operative Therapie der Bauchspeicheldrüsentumoren ein zentraler Pfeiler in der interdisziplinär geführten Therapie. Das Pankreaskarzinom ist bedauerlicherweise ein aggressiver Tumor, der schon früh zur Absiedlung in andere Organe neigt. Dennoch kann durch eine stadiengerechte Operation mitunter eine vollständige Heilung erreicht werden. In ausgesuchten Fällen ist auch eine Operation unter alleiniger lindernder Absicht (palliativ) sinnvoll und erforderlich. Weitere Tumoren der Bauchspeicheldrüse sind:

  • Neuroendokrine Tumoren (Insulinome, Glukagonome etc.)
  • Intraduktale papilläre muzinöse Neoplasien (IPMN)
  • Zystadenome, Zystadenomkarzinome
  • Metastasen

In allen Fällen profitiert der Patient von einer (frühen) Diagnose und einer guten Zusammenarbeit zwischen Gastroenterologen und Chirurgen sowie weiteren Experten im Tumorboard, wie sie am Klinikum Bielefeld ansässig sind.

Apparative Diagnostik

Im Klinikum Bielefeld stehen modernste Untersuchungsmethoden zur Untersuchung der Bauchspeicheldrüse und ihrer Funktion zur Verfügung. Neben speziellen Laboruntersuchungen werden hochauflösende Ultraschallgeräte eingesetzt, welche einfach und schnell auf wenig belastende Art ein Bild aus dem Inneren des Körpers zeigen. Die Computertomographie ist die wohl am häufigsten durchgeführte Untersuchung bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Sie arbeitet mit Hilfe von Röntgenstrahlen, so wird es möglich, durch eine Vielzahl von Schnittbildern ein präzises und reproduzierbares Bild von der Bauchspeicheldrüse zu erhalten.

Die Magnetresonanztomographie fertigt ähnlich wie die Computertomographie Schnittbilder an. Sie arbeitet ohne den Einsatz der Röntgenstrahlung und benutzt hierfür Magnetfelder. Des Weiteren ist es möglich, im Rahmen einer Magenspiegelung, eine sogenannte Endosonographie, also eine Ultraschall-Untersuchung, direkt im Inneren des Körpers durchzuführen. Da die Bauchspeicheldrüse unmittelbar hinter dem Magen liegt, kann hierdurch eine detaillierte Beurteilung auch von kleinsten Veränderungen erfolgen. Durch eine endoskopische retrograde Cholangio-Pankreatiographie (ERCP) kann der Ausführungsgang der Drüse im Zwölffingerdarm direkt betrachtet und nach Sondierung durch Kontrastmittel dargestellt werden. Zusätzlich kann gleichzeitig eine Therapie durchgeführt werden, z.B. ein im Weg liegender Gallengangsstein entfernt oder ein Plastikröhrchen zum Offenhalten eines Ausführungsganges eingelegt werden. So kann auch direkt der Bauchspeichel gewonnen und näher untersucht werden. Des Weiteren können Gewebeproben entnommen und speziellen Untersuchungen zugeführt werden.