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Dickdarmkrebs

Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) ist eine der häufigsten Krebserkrankungen. Er rangiert bei Frauen an 2. Stelle hinter dem Brustkrebs und bei Männern an 2. Stelle hinter dem Prostatakrebs.

Im Laufe ihres Lebens erkranken in Deutschland 6 von 100 Menschen an Darmkrebs, das ist jeder Siebtzehnte. In über 60% der Fälle sind die letzten 40cm des Dickdarms, also der S-Darm (Sigma) und der Mastdarm (Rektum) betroffen.

Risikofaktoren und Symptome

Als Risikofaktoren für die Entstehung eines Darmkrebses gelten

  • Lebensstil (Nikotinkonsum, Bewegungsmangel, Übergewicht)
  • Ernährung (fleischreiche, fettreiche und faserarme Kost)
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen, besonders Colitis ulcerosa (siehe dort)
  • gutartige Schleimhautwucherungen im Dickdarm (Polypen, Adenome)
  • Familienangehörige mit Darmkrebs oder Darmpolypen (ca. 10 % erblich bedingt,
  • FAP (familiäre adenomatöse Polyposis)
  • Lynch-Sydrom (HNPPC: erbliches, nicht polypöses kolorektales Krebssyndrom)

Für die Früherkennung ist die Vorsorge-Dickdarmspiegelung von herausragender Bedeutung, denn wie bei anderen Krebsarten gilt auch beim Darmkrebs der Grundsatz, den Tumor schon in seinen Frühstadien zu erkennen, um die Heilungsaussichten zu verbessern. In diesen Frühstadien verursachen die Tumoren keine Symptome, weshalb sie nur durch eine Spiegelung entdeckt werden können. Deshalb wird eine Vorsorge-Koloskopie ab dem 55. Lebensjahr dringend empfohlen, bei auftretenden Symptomen und Risikopatienten auch eher.

Zu den ersten Symptomen des Dickdarmkrebses zählen:

  • veränderte Stuhlgewohnheiten (Wechsel von Verstopfung und Durchfall, bleistiftdünner Stuhl etc.)
  • Blut im Stuhl
  • wiederholte, krampfartige Bauchschmerzen
  • Leistungsabfall, ungewollte Gewichtsabnahme

Was man auch noch wissen sollte

  • Blut im Stuhl wird oftmals durch Hämorrhoiden verursacht. Diese sollten konsequent behandelt werden und bei fortbestehender Blutung sollte auf jeden Fall eine Dickdarmspiegelung zum Ausschluss einer höher gelegenen Blutungsquelle durchgeführt werden
  • Die Bestimmung des Tumormarkers CEA im Blut ist keine Screeningmethode und ersetzt die Koloskopie nicht
  • Auch die Bestimmung von verborgenem Blut im Stuhl (Hämoccult) kann wegen vieler Fehldeutungen die Koloskopie nicht ersetzen.
Diagnostik

Neben der klinischen ärztlichen Untersuchung (Abtasten, Auskultieren, Fingeruntersuchung des Mastdarms) ist die Dickdarmspiegelung die wichtigste diagnostische Methode. Hier können Vorstufen des Dickdarmkrebses (Adenome) in vielen Fällen abgetragen werden. Bei größeren Tumoren können durch die Spiegelung Gewebeproben (Biopsien) entnommen werden. Es sollte, wenn immer möglich, eine vollständige Dickdarmspiegelung (bis zum Dünndarm) durchgeführt werden. Die Koloskopie (Dickdarmspiegelung) kann in der Regel ambulant unter einer leichten Beruhigungsspritze (Sedierung) durchgeführt werden. Die meisten Patienten geben nach der Untersuchung an, dass diese viel angenehmer war als erwartet und eigentlich lediglich die Abführmaßnahme am Vortag teilweise als belastend empfunden wurde.

Weitere Diagnostik:

  • Sonographie der Bauchhöhle (insbesondere zum Nachweis von Lebermetastasen)
  • Computertomographie (Lebermetastasen, Lymphknotenmetastasen, zusätzliche Befunde)
  • Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung des Dickdarms (wird heute nur noch in seltenen Fällen, z. B. bei der fehlenden Möglichkeit zur vollständigen Dickdarmspiegelung angewendet)
  • Virtuelle Darmspiegelung (Computertomographie, Magnetresonanztomographie) bleibt Sonderindikationen vorbehalten
  • Positronenemmissionstomographie (PET, PET-CT) bei besonderen Fragestellungen

 

Therapie

Die chirurgische Therapie besteht in der vollständigen Entfernung des Tumors mit angrenzenden Dickdarmabschnitten unter Mitnahme des Lymphabflussgebietes. Typische Eingriffe hierbei sind:

  • Entfernung des rechten Dickdarms (Hemikoletomie rechts)
  • Entferung des mittleren Dickdarms (Transversumresektion, erweiterte Hemikolektomie rechts/links)
  • Entfernung des linken Dickdarms (Hemikolektomie links)

Es handelt sich hierbei in der Regel um 1 - 2-stündige operative Eingriffe, bei denen nach Entfernung des Tumor tragenden Anteils in o. g. Sinne eine Wiedervereinigung der Darmenden (Anastomose) erfolgt.
Die Operationen können in offener und zunehmend auch in laparoskopischer Technik (Schlüssellochchirurgie) durchgeführt werden. Die Anlage eines künstlichen Darmausganges ist nur in Ausnahmenfällen erforderlich. Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation liegt bei 5 - 10 Tagen.
Neben der endoskopischen Therapie (Polypabtragung) und der operativen Therapie (Entfernung größerer Darmabschnitte) besteht noch das Sonderverfahren „Rendezvous-Technik“ (siehe dort). Hierbei können durch eine kombinierte Vorgehensweise von Darmspiegelung und Bauchspiegelung z. B. ein größerer Polyp, in Ausnahmefällen auch schon frühe Krebsformen therapiert werden. Entweder durch Abtragung mit einer Schlinge über das Endoskop (siehe Abbildung) oder durch keilförmiges Herausschneiden eines Teiles der Darmwand über das Klammernahtschneidegerät des Chirurgen.

Zusatzbehandlungen
Ist der Dickdarmkrebs auf das Ursprungsorgan begrenzt, ist in der Regel keine medikamentöse Vorbehandlung erforderlich. Nach der Operation und dem Erhalt des histologischen Untersuchungsergebnisses sollte ab dem Krebsstadium UICC III (Befall von Lymphknoten) eine adjuvante Chemotherapie durchgeführt werden. Bei Tumoren, die operativ nicht vollständig entfernt werden konnten, ist in den meisten Fällen eine palliative Chemotherapie indiziert.

Metastasen

Einige Patienten haben bereits zum Zeitpunkt der Diagnose des Primärtumors Metastasen, meist in der Leber, gelegentlich auch in der Lunge oder in anderen Organen. Auch diese können heute erfreulicherweise in sehr vielen Fällen therapeutisch angegangen werden, meist durch operative Entfernung, gelegentlich durch die Abtötung der Metastasen durch Hochfrequenzstrom (Radiofrequenz-Ablation), beides in Kombination mit einer Chemotherapie. Auch Lungenmetastasen sind in vielen Fällen operativ vollständig entfernbar, so dass der Nachweis von Metastasen nicht zwangsläufig Unheilbarkeit bedeutet (siehe auch Lebermetastasen).

Fazit

Der Dickdarmkrebs als häufigste Tumorerkranung kann viele Menschen treffen. Die Vorsorge-Koloskopie ist eine ideale diagnostische Maßnahme, um Krebsvorstufen zu behandeln und ggf. die Krebserkrankung zu erkennen, bevor sie symptomatisch wird. Die Heilungschancen, bei der die operative Therapie mit Abstand am wichtigsten ist, liegen bei über 60 %. Voraussetzung dafür ist die Behandlung in kompetenter ärztlicher Hand. Hierzu eignen sich besonders Zentren, an denen alle beteiligten medizinischen Fachdisziplinen vorhanden sind und bei denen eine große Kompetenz in der Krebsbehandlung besteht (Tumor-Board, vgl. „Netzwerk Onkologie“). Das Klinikum Bielefeld-Mitte ist Mitglied im Darmzentrum Ostwestfalen Lippe (DOWL).