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Geschwüre von Magen und Zwölffingerdarm

In der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Klinikums Bielefeld wird das gesamte Spektrum der operativen Therapie am Magen bei gut- und bösartigen Erkrankungen angeboten.

Mageneingriffe bei gutartigen Erkrankungen:

  • Laparoskopische Fundoplicatio bei Mageneingangsbruch (Hiatushernie)
  • Laparoskopische Fundophrenicopexie und Hiatoplastik bei Up-side down Magen
  • Atypische kombinierte endoskopisch-laparoskopische Magenteilresektion bei gutartigen Tumoren
  • BI/BII-Magenresektion bei Zwölffingerdarm- und Magengeschwüren
  • Ulkusübernähung am Magen und Duodenum offen und laparoskopisch
  • Pyloroplastik bei benignen Magenausgangsstenosen

Der Magen liegt im mittleren und linken Oberbauch zwischen Leber, Milz, Dickdarm und Bauchspeicheldrüse (vgl. auch „Magen/Magenkrebs“). Der Magen genießt eine sehr gute Durchblutung durch fünffache Gefäßversorgung.

Die Drüsen des Magens sind verantwortlich für die Produktion verschiedener Hormone (z. B. der s. g. Intristic factor zur Resorption von Vit. B12 ). Der Magen produziert täglich etwa 1,5 - 2,0l sauren Magensaft.

Epidemiologie, Ursachen und Risikofaktoren

Epidemiologie

  • 6-10% der Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens ein Geschwür
  • Die Erkrankungshäufigkeit war in den letzten 10 Jahren in den westlichen Industriestaaten rückläufig
  • Erkrankungsgipfel ist das 5.-7. Lebensjahrzehnt
  • Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen

Ursachen und Risikofaktoren
Das Geschwür entsteht durch ein Missverhältnis zwischen aggressiven und defensiven/ protektiven Faktoren wie:

  • Bakterielle Infektion, z. B. `Helicobacter pylori`
  • Medikamente (Aspirin (ASS), Diclofenac, Cortison, Chemotherapeutika)
  • Stress (Operationen, Unfälle, Verbrennungen)
  • Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Calciumspiegel im Blut erhöht)
  • Zollinger-Ellison-Syndrom (hormonaktiver G-Zell-Tumor)
  • Genetische Prädisposition: Blutgruppe 0
Diagnostik

Präoperative Diagnostik
Die Erhebung der Krankheitsvorgeschichte (Anamnese) und die körperliche Untersuchung gehen der eigentlichen Diagostik voran. Häufig klagen Patienten über einen diffusen Sofortschmerz im Oberbauch nach Nahrungsaufnahme oder einen "Spätschmerz" 1 bis 3 Stunden nach Nahrungsaufnahme, dazu kommen Völlegefühl und Übelkeit.

Im Klinikum Bielefeld stehen modernste Untersuchungsmethoden zur Untersuchung des Magens zur Verfügung.

  • Oesophago-Gastroduodenoskopie (Magenspiegelung) mit Biopsie (Hinter jedem Magengeschwür kann auch ein Magenkrebs stecken) und Untersuchung auf Helicobacter pylori (Positiv bei 70% der Patienten mit einem Geschwür)
  • Endosonographie (Ultraschall von innen über Spiegelung)
  • Ggf. Computertomographie des Bauchraumes bzw. Magnetresonanztomographie
  • Laboruntersuchung: Magensäureanalyse

Klassifikation

  • Geschwür in der Magenmitte vor dem Magenausgang
  • Geschwür im Bereich des Magenausgangs
  • Geschwür im Zwölffingerdarm hinter dem Magenausgang
Therapie

1. Änderung der Lebensgewohnheiten

  • Kein Nikotin
  • Kein Alkohol
  • Kein Kaffee
  • Absetzen bzw. Umtauschen geschwürbildender Medikamente
  • Vermeiden extrem heißer oder kalter Nahrung
  • Mehrere kleine Mahlzeiten


2. Medikamentös

  • Mittel der Wahl sind heute die Protonenpumpenhemmer (Omeprazol, Antra)
  • Standardtherapie zur Auslöschung (Eradikation) der Helicobacter pylori-Infektion (Antra, Clont, Klacid 2 x täglich für 7 Tage)

Der Helicobacter-Befall lässt sich damit in über 95 % der Fälle heilen.

3. Operativ

  • Die Operation ist heute nur noch sehr selten notwendig, nämlich dann, wenn Komplikationen des Geschwürsleidens aufgetreten sind
  • Perforation (Geschwürsdurchbruch)
  • Blutung (mit endoskopischen Maßnahmen nicht stillbar)
  • Stenosen (narbige Engstellung am Magenausgang und/oder Zwölffingerdarm bei chronischer Geschwürskrankheit)
  • Malignitätsverdacht (bei persistierendem Magengeschwür (Ulcus ventriculi) trotz medikamentöser Therapie über 3-Monate)


Operative Technik
Der betroffene Magenanteil wird entfernt und die Kontinuität der Magen/Darmpassage wird durch Verbindung des Restmagens mit tiefer gelegenen Darmabschnitten wiederhergestellt.

Billroth-I
Bei der Magenoperation (Resektion) nach Billroth I wird der verbliebene Magen an den Zwölffingerdarm genäht.
Magenresektion nach Billroth-I. Zur Wiederherstellung der Nahrungspassage wurde der Magenrest mit dem Zwölffingerdarm verbunden (Gastroduodenostomie).

Billroth-II
Bei der Magenresektion nach Billroth II wird der Restmagen an eine hochgezogene Dünndarmschlinge genäht.
Bei der Magenresektion nach Billroth-II wird die Nahrungspassage durch die Verbindung vom Restmagen zum Dünndarm (Gastrojejunostomie) wiederhergestellt

Nachbehandlung und Aufklärung
  • Schmerztherapie über einen Katheter im Rückenmarkskanal (PDK)
  • Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel zur Überprüfung der Nahtdichtigkeit
  • Aufklärung über die mögliche Notwendigkeit der Vitamin B12-Substitution
  • Ernährungsberatung
  • Aufklärung über mögliches Auftreten von Unterzuckerung nach einer Mahlzeit bei prompter Entleerung von Mageninhalt in den Dünndarm (Dumping)
  • Aufklärung über die Notwendigkeit einer Magenspiegelungskontrolle im Verlauf, abhängig von den klinischen Beschwerden (Spätauftreten von Magenkrebs im Magenstumpf und erneute Ulcusbildung insbesondere im Bereich der Nahtstelle zwischen Magenstumpf und Dünndarm)