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Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin

Die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin ist eine Fachklinik des Klinikums Bielefeld und arbeitet eng mit dem Brustzentrum zusammen. Die Mitarbeiter sind spezialisiert auf die Diagnostik und Therapie von Tumor- und Bluterkrankungen. Ein Schwerpunkt liegt in der medikamentösen Behandlung von Patienten mit Brusttumoren, Tumoren des Magen-Darmtraktes, Lungentumoren sowie Lymphomen, Leukämien und multiplem Myelom (Plasmozytom).

Neben der vollstationären Versorgung bietet die Klinik auch die Möglichkeit der ambulanten Betreuung in Kooperation mit der Onkologischen Schwerpunktpraxis. Ein wichtiges Anliegen der Klinik besteht darin, den Patienten, durch die Durchführung und Teilnahme an nationalen und internationalen Therapiestudien, frühzeitig innovative Therapiekonzepte anzubieten. Neben herkömmlichen Chemo- und Hormontherapien sowie Hochdosistherapien mit Stammzelltransplantation, werden in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin neue Substanzen zur Apoptoseinduktion (programmierter Zelltod), Signaltransduktionshemmung (Hemmung der Informationsübertragung in der Tumorzelle), Antiangiogenese (Anti-Gefäßneubildung) und Immuntherapie eingesetzt.

Abhängig von der Tumorausdehnung und der feingeweblichen Beschaffenheit des Tumorgewebes ist in vielen Fällen eine Behandlung zusätzlich zur Operation und evtl. einer Strahlentherapie sinnvoll, um möglichst gute Langzeiterfolge zu erzielen. Dabei können folgende Therapieformen zur Anwendung kommen:

  • antihormonelle Behandlung
  • Chemotherapie
  • Antikörpertherapie

Welche Art der Behandlung im Einzelfall angewendet wird und in welcher Reihenfolge die unterschiedlichen Therapien kombiniert werden, wird sorgfältig geprüft und in der regelmäßig stattfindenden interdisziplinären Konferenz (IMK) von Experten der verschiedenen Fachdisziplinen beraten.

Weitere Informationen zur Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin sind hier erhältlich.

Antikörpertherapie

In der Krebstherapie gelingt es immer besser, den Tumor des einzelnen Patienten in seinen biologischen Eigenschaften zu analysieren. Beim Brustkrebs gibt es in 15 bis 30% der Fälle Krebszellen, die ein bestimmtes Eiweiß verstärkt ausbilden, das sogenannte HER-2 Protein. Dieses HER-2 Protein ist ein epidermaler Wachstumsfaktor, der Wachstumssignale in den Zellkern vermittelt. Tumoren, die diesen Rezeptor übermäßig exprimieren, wachsen schneller und rezidivieren häufiger als Tumoren, die kein HER-2 produzieren.

Andererseits kann diese biologische Besonderheit der Tumorzellen für einen immunologischen Therapieansatz genutzt werden. Seit kurzem steht ein Antikörper zur Verfügung (Trastuzumab), der gegen den HER-2 Rezeptor gerichtet ist.

Trastuzumab heftet sich nach Infusion in den Körper gezielt am HER-2-Protein an und blockiert somit die Aufnahme von Wachstumsfaktoren, die die Krebszelle zu gesteigerter Stoffwechselaktivität und zur Teilung anregen.

Da diese Therapie nur unter bestimmten Voraussetzungen anwendbar ist und auch mit gewissen Nebenwirkungen einhergehen kann, ist die Anwendung nur durch in der Tumortherapie erfahrene Ärzte empfehlenswert. In der Regel wird diese Therapie in der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin jedoch problemlos ambulant durchgeführt, wobei regelmäßige Kontrollen der Herzfunktion angeraten sind.

 

Chemotherapie

Im Vergleich zu gesunden Körperzellen sind Tumorzellen dadurch charakterisiert, dass Sie sich sehr schnell teilen und eine rasche Wachstumstendenz haben. Chemotherapeutika, auch als Zytostatika bezeichnet, greifen in den Zellteilungsprozess ein und stoppen das Wachstum von Tumorzellen oder unterbinden eine weitere Vermehrung von Tumorzellen.

Eine Chemotherapie kann im Behandlungsverlauf zu unterschiedlichen Zeitpunkten eingesetzt werden:

  • vor einer Operation (neoadjuvant)
  • nach einer Operation (adjuvant)
  • zur Eindämmung des Tumorwachstums bei Fernmetastasierung (palliativ)

Neoadjuvante Chemotherapie

Erhält eine Patientin mit Mammakarzinom bereits vor der operativen Entfernung des Tumors eine Chemotherapie, spricht man von einer neoadjuvanten Therapie. Die neoadjuvante Chemotherapie wird wie andere Chemotherapien in 3 bis 4-wöchigen Therapieintervallen verabreicht. Um ein gutes Ansprechen zu dokumentieren, wird der Tumor nach jedem zweiten Therapiezyklus von einem erfahrenen gynäkologischen Onkologen im Brustzentrum untersucht. Im Idealfall gelingt es, den Tumor soweit zu verkleinern, dass bei der Operation kein lebendes Tumorgewebe mehr nachweisbar ist (sog. komplette pathologische Remission). Die Vorteile der neoadjuvanten Therapie bestehen in einer Erhöhung der Rate an brusterhaltenden Operationen. Evtl. können vorher nicht operable Tumoren dadurch in einen operablen Zustand gebracht werden. Darüber hinaus kann die Effektivität der Chemotherapie direkt am Wachstumsverhalten des Tumors überprüft werden. Letztlich erhofft man sich durch die Anwendung der neoadjuvanten Therapie Krankheitsfreiheit zu erreichen und die Überlebenszeit von Brustkrebspatientinnen zu verlängern, wobei hier die endgültigen Studienergebnisse noch abzuwarten sind.
Ob bei einer Patientin eine Chemotherapie vor oder nach der Operation durchgeführt werden muss, ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig und wird im interdisziplinären Kolloquium unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen festgelegt.

Adjuvante Chemotherapie

Aus großen Studien, in denen der Krankheitsverlauf vieler Patientinnen über Jahre beobachtet wurde, weiß man heute, dass sich zum Zeitpunkt der Operation der Brustkrebserkrankung bereits einzelne Krebszellen im Körper verteilt haben können, aus denen sich später Tochtergeschwülste (Metastasen) entwickeln. Da es keine Methode gibt, die mit letzter Sicherheit ausschließt, dass trotz einer vollständigen Entfernung des Brusttumors kleinste Tochtergeschwülste im Körper verbleiben, wird unter bestimmten Voraussetzungen eine vorbeugende Chemotherapie durchgeführt, die zur Zerstörung dieser Zellen führen soll. Ob bei einer Patientin eine vorbeugende Chemotherapie nach der Operation durchgeführt werden muss, ist von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig und wird im interdisziplinären Kolloquium unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen und der internationalen Leitlinien festgelegt.
Durch Zytostatika in Infusions- oder selten auch in Tablettenform werden die im Körper eventuell vorhandenen Krebszellen in bestimmten Phasen der Zellteilung angegriffen und zerstört. Die einzelnen Gaben der Chemotherapieinfusion werden in der Regel in einem Rhythmus von 3 bis 4 Wochen und insgesamt 6 bis 8 Mal wiederholt. Die Chemotherapie wird in der onkologischen Schwerpunktpraxis vorwiegend ambulant durchgeführt. Hierfür sind spezielle Räume mit bequemen Liegesesseln vorhanden und eine kontinuierliche Überwachung durch die dortigen Fachkräfte ist gewährleistet. So ist eine schnelle Reaktion auf eventuell während der Chemotherapie auftretende Nebenwirkungen oder Fragen gewährleistet. Gegen die am häufigsten zu erwartenden Nebenwirkungen wie z. B. Übelkeit, erhalten die Patientinnen bereits während der Therapie vorbeugende Medikamente. Ebenso wird jeder Frau, wenn es aufgrund des Chemotherapieregimes notwendig ist, schon vor Beginn der Chemotherapie ein Rezept über eine Perücke für den zu erwartenden Haarausfall ausgehändigt.
In seltenen Fällen kann bei sehr schlechten Venenverhältnissen die Anlage eines Portkathetersystems erforderlich sein. Dann wird zu Beginn in einem ambulanten Eingriff über die kooperierende thoraxchirurgische Abteilung (Chefarzt Prof. Dr. med. Ahmed Boseila) ein Portsystem angelegt. Über dieses Hilfsmittel ist eine problemlose und sichere Infusion gewährleistet. Die Patientin kann sich dadurch auch während der Therapie jederzeit frei bewegen. Betreut werden die Patientinnen durch besonders ausgebildetes onkologisches Fachpersonal und die ärztlichen Kollegen, die sich bereits bei der interdisziplinären Besprechung im Brustzentrum ausführlich mit der individuellen Krankengeschichte vertraut gemacht haben. So ist ein enger Kontakt zwischen ambulanter und stationärer Versorgung gewährleistet.

Palliative Chemotherapie

Sollte es zu Tochterabsiedelungen (Metastasen) des Brustkrebs in andere Organe gekommen sein, wird ein geeigneter und individueller Behandlungsplan erstellt. Die palliative Chemotherapie ist oft ein wichtiger Bestandteil dieses Behandlungsplans. Eine palliative Therapie hat das Ziel der Symptomlinderung, Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Überlebens. Durch kenntnisreichen Einsatz der vielen zur Verfügung stehenden Zytostatika gelingt es oft, die Erkrankung bei guter Lebensqualität zurückzudrängen. Hierbei ist es besonders wichtig die Therapie mit den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen abzustimmen.
Vor jeder Therapie wird ein ausführliches Beratungsgespräch mit einem in der Chemotherapie erfahrenem Arzt geführt. Die Therapiemöglichkeiten werden diskutiert und individuelle Behandlungsziele definiert. In dieser Krankheitssituation wird in der Regel zusätzlich zur Chemotherapie auf begleitende Maßnahmen, wie Schmerztherapie, Therapie der tumorbedingten Blutarmut, knochenstärkende Maßnahmen und psychoonkologische Unterstützung zurückgegriffen. Zusätzlich müssen, insbesondere bei Patientinnen fortgeschrittenen Alters, häufig internistische Begleiterkrankungen wie Diabetes mellitus oder Herz- und Lungenerkrankungen berücksichtigt werden. Die internistischen Onkologen sind aufgrund ihrer Ausbildung mit diesen Krankheitsbildern bestens vertraut und daher geeignete Ansprechpartner. Sollte es erforderlich sein, werden zur Behandlung spezieller Probleme, Spezialisten der benachbarten Disziplinen hinzugezogen.

Schmerztherapie

Für viele Menschen ist die Diagnose einer Krebserkrankung unmittelbar verbunden mit der Vorstellung, dass Schmerzen auftreten werden, die von den Therapeuten nicht wirklich beeinflussbar sind. Die Angst vor Schmerzen und vor einem Sterben in Schmerzen ist oftmals genauso stark wie die Furcht vor der Krebserkrankung selbst. Heute ist bekannt, dass bei weitem nicht alle Krebspatientinnen und Krebspatienten unter Schmerzen leiden. Es muss aber davon ausgegangen werden, dass etwa 80 % aller Tumorkranken zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Erkrankung Schmerzen verspüren.

Es gelingt, durch moderne Schmerztherapie, 90% der Patienten von ihren Schmerzen zu befreien. Dieses hochgesteckte Ziel ist in der Regel dann zu erreichen, wenn die Schmerztherapie konsequent durchgeführt wird und von den Therapeuten Interaktionen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten berücksichtigt werden. In der Schmerztherapie erfahrene Ärzte verstehen es nicht nur, die Medikamente zielführend einzusetzen, sondern auch den zum Teil damit unweigerlich verbundenen Nebenwirkungen, wie z.B. Verstopfung und Übelkeit, vorzubeugen. Unterstützt wird die Schmerztherapie durch den Einsatz weiterer Medikamente wie Steroiden, Beruhigungsmittel, Psychostimulantien oder durch eine Gesprächstherapie. Auch bei der Schmerztherapie müssen die individuellen Bedürfnisse der Patientin in der Therapieplanung berücksichtigt werden.

Supportivtherapie

Bisphosphonat Therapie
Knochenmetastasen können zu einer Lockerung der Knochenstruktur und erhöhten Knochenbruchgefahr führen. Bisphosphonate sind Medikamente, die die körpereigenen "Knochenfresszellen" (Osteoklasten) bremsen. Die Knochen werden stabilisiert und Knochenschmerzen gelindert. Bisphosphonate wie Pamidronat (Aredia), Zolendronat (Zometa), Ibandronat (Bondronat) werden alleine oder begleitend bei Nachweis von Knochenmetastasen zu einer Hormon- oder Chemotherapie eingesetzt. Sie werden als Infusionen alle 4 Wochen über die Blutbahn gegeben. Bisphosphonate sind im Allgemeinen gut verträglich. Gelegentlich kann es nach der Infusion zum Auftreten von Fieber oder Knochenschmerzen kommen. Durch längere Infusionszeiten können die Nebenwirkungen abgeschwächt werden. Der prophylaktische Einsatz von Bisphosphonaten, der zur Verhinderung von Knochenmetastasen oder verzögertem Auftreten von Metastasen führen soll, wird zurzeit in Studien geprüft.

Bluttransfusionen
Während einer Tumorerkrankung oder aber auch einer Chemotherapie kann es zu einer Blutarmut kommen. Folgen der Blutarmut sind körperliche Schwäche, Schlappheit und eingeschränkte Belastbarkeit. Zur Verbesserung der Lebensqualität kann es bei höhergradiger Anämie sinnvoll sein, Bluttransfusionen zu geben. In der Klinik für Strahlentherapie werden ambulant Bluttransfusionen in der Tagesklinik durchgeführt.