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Proktologie (Enddarmleiden)

Viele Menschen leiden an Krankheiten des Afters und des Enddarms, aber nur wenige sprechen darüber. Häufig verhindern Ängste und eine falsche Scham das Gespräch mit der Ärztin bzw. dem Arzt. Dabei kann man durch eine gezielte, möglichst schonende Behandlung die oft jahrelang erduldeten Beschwerden rasch lindern.

Analfissur

Besonders schmerzhaft ist eine Analfissur („Afterriss“), die, aufgrund eines Schließmuskelkrampfes von der Blutzufuhr abgeschnitten, überaus schlecht heilt. Hier kann bei chronischem Verlauf durch eine kurze Operation das Leben wieder lebenswert werden. Dabei wird der schmerzhafte Krater ausgeschnitten, nur äußerst selten ist ein Eingriff am Schließmuskel selbst erforderlich.
Wichtig ist das Ausschöpfen der „konservativen Behandlung“:

  • Stuhlregulation, Weichhalten, „gute“ Stuhlgewohnheiten
  • Vermeiden von starkem Pressen beim Stuhlgang
  • Salbenbehandlung (entzündungshemmend, schmerzstillend, entkrampfend [Nitro])
  • BOTOX (Muskellockerung durch direktes Einspritzen, hält für 3 - 4 Monate)
Analvenenthrombose

Als Analvenenthrombose bezeichnet man einen eigentlich harmlosen, aber unangenehm schmerzhaften Knoten am After. Dieser entwickelt sich relativ schnell und wird im Frühstadium ganz einfach in örtlicher Betäubung abgetragen. Besteht er schon einige Tage, helfen auch Schmerzmittel und Salben.

Analmarisken

Viele Patientinnen und Patienten haben Analmarisken, fälschlich auch als „äußere Hämorrhoiden“ bezeichnete Hautläppchen am After. Sie sind Folge früherer Entzündungen im Analbereich oder einer Bindegewebsschwäche. Probleme ergeben sich manchmal bei der Analhygiene, da die Reinigung erschwert sein kann. In örtlicher Betäubung oder Kurznarkose lassen sich Marisken weitgehend schmerzfrei entfernen. Ein erhöhtes Krebsrisiko besteht nicht.

Analfisteln

Analfisteln sind röhrenförmige Entzündungsgänge, die nicht selten durch die Schließmuskeln verlaufen und ihren Ursprung von Drüsen der Mastdarmschleimhaut und des Analkanals nehmen (Proktodäaldrüsen). Falls sie verstopfen, resultiert ein Analabszess, der möglichst bald eröffnet werden sollte. Die Fisteln werden je nach Lage unterteilt in

  • submuköse Fistel: im Bereich der Afterschleimhaut
  • intersphinktäre Fistel: im unteren Bereich zwischen den Schließmuskeln verlaufend (die häufigste Fistelform!)
  • transsphinktäre Fistel: durch die Schließmuskeln ziehend
  • extra- und suprasphinktäre Fistel: außerhalb oder über die Schließmuskeln ziehend

Das operative Ausschneiden der Fisteln muss unter größtmöglicher Schonung der Schließmuskeln erfolgen, um eine Stuhlhalteschwäche zu vermeiden.

Die Therapie der Analfisteln im Überblick

  • Fadendrainage (nicht-resorbierbarer Faden, ermöglicht den Abfluss)
  • einfache Fistelspaltung (wenn der Schließmuskel nicht oder kaum betroffen ist)
  • Fistelspaltung von außen und innen (wichtig: Schonung des Schließmuskels, evtl. Schleimhautverschiebelappenplastik zum Verschluss der inneren Fistelöffnung erforderlich)
  • alle Verfahren ggf. in Kombination mit medikamentöser Therapie (Antibiotika, Biologika, Anti-TNF etc.)
Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind die krankhafte Vergrößerung von Blutschwammpolstern, die normalerweise zur Abdichtung des Afters beitragen. Hämorrhoiden können mit Blutung, Nässen, Juckreiz und Schmerzen verbunden sein.

Das Hämorrhoidalleiden wird in 4 Stadien eingeteilt:

  • Grad 1: Kein Austritt von Hämorrhoiden aus dem After, nur durch Spiegelung („Proktoskopie“) erkennbar
  • Grad 2: Vorübergehender Austritt, spontane Rückbildung
  • Grad 3: Ausgetretene Hämorrhoiden müssen mit dem Finger zurückgedrückt werden.
  • Grad 4: Hämorrhoiden können nicht mehr reponiert werden, es besteht ein meist schmerzhafter, geschwollener Kranz von Knoten um den After

Falls Salben, Zäpfchen, Verödung und andere Methoden nicht mehr helfen, werden die Knoten gezielt durch einen kleinen Eingriff entfernt. Bei fortgeschrittenem Befund bewährt sich der Einsatz eines „Klammernahtschneidegerätes“, welches die Mastdarmschleimhaut kreisförmig entfernt, die Blutzufuhr der Hämorrhoiden unterbricht und die Hämorrhoiden selbst nach innen in den Analkanal zieht (Stapler-Hämorrhoidektomie nach Longo).

Analkarzinom und Mastdarmkrebs

Selbstverständlich gehört zum Spektrum der Klinik auch die Diagnostik und Therapie von bösartigen Veränderungen der Analregion und des Mastdarmes (vgl. „Mastdarmkrebs“). Das insgesamt seltene Anal(kanal)karzinom wird oft erst spät erkannt und gelegentlich mit einer der oben genannten Erkrankungen verwechselt. Der zwischen Mastdarmschleimhaut und äußerer Haut entstehende Tumor kann Blutungen und Schmerzen verursachen und durch eine Gewebeprobe diagnostiziert werden.

Abhängig vom Tumorstadium besteht heute durch eine primäre Bestrahlung (mit Chemotherapie) eine sehr gute Therapiemöglichkeit. Diese Behandlung erfolgt durch die Klinik für Strahlentherapie (Chefarzt Prof. Dr. med. Peter Hirnle) am Klinikum Bielefeld. Nur in wenigen Fällen muss eine Operation in Betracht gezogen werden. Um hier für jeden das Optimum zu erreichen, werden alle Patientinnen und Patienten mit einem Analkarzinom im interdisziplinären Tumorkreis (Tumorboard, siehe Onkologisches Zentrum) besprochen, die Röntgenbilder werden von Spezialisten analysiert und es wird eine stadiengerechte Therapie individuell etabliert.