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Schonendes Operieren

Der Erfolg einer Operation hängt von vielen Faktoren ab: Erfahrung des Chirurgen, Gesundheitszustand des Patienten, Begleiterkrankungen, Art und Ausdehnung der Erkrankung, um nur die wichtigsten zu nennen. Auch ein „schonendes Operieren“ kann zur Optimierung des Behandlungserfolges beitragen. „Schonendes Operieren“ bedeutet sorgfältige Darstellung der zu belassenden Gewebestrukturen und dennoch Kompromisslosigkeit bei dem Notwendigen, etwa dem radikalen Entfernen einer bösartigen Geschwulst in der Karzinomchirurgie.

Feinste Instrumente

In den letzten Jahren wurden unter Berücksichtigung biomechanischer Aspekte feinste Operationsinstrumente entwickelt, die einen äußerst sorgfältigen präparatorischen Umgang mit dem Gewebe erlauben. Einige dieser Instrumente stammen aus der Mikrochirurgie, bei der es um die operative Versorgung feinster Gefäße und Nerven geht. Dünne Blattpinzetten und kleinblättrige Scheren ermöglichen das sorgfältige Operieren auch bei sehr kleinen Gewebeverhältnissen.

Bei der notwendigen Durchtrennung von arteriellen Gefäßen zum Beispiel, können diese sehr isoliert dargestellt und durchstochen werden, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. Mit feinsten Sonden können Kanäle sondiert, zu schonende Nerven (etwa bei der Schilddrüsen-Chirurgie oder bei der Mastdarm-Chirurgie im kleinen Becken) oder Gallengänge dargestellt werden (in der Leberchirurgie), ohne diese zu verletzen. Somit kann der Kollateralschaden äußerst gering gehalten werden und Blutungen können reduziert werden (siehe unten).

Zur Präparation von kleinen Gewebestrukturen werden Lupenbrille und Mikroinstrumentarium verwendet
Lupenbrillentechnik

Kleinste Strukturen werden gut darstellbar, wenn sie unter dem Operationsmikroskop entsprechend vergrößert werden. Diese Methode ist jedoch bei der Chirurgie der Bauchhöhle nicht umsetzbar, da hier die Platzierung eines Mikroskopes kaum praktikabel wäre. Um dennoch einen Vergrößerungseffekt zu erlangen, werden in vielen Fällen Lupenbrillen (2- bis 3-fache Vergrößerung) genutzt, um feine Strukturen, insbesondere Nerven, darzustellen.

Die Lupenbrille kommt z. B. in der Schilddrüsenchirurgie zum Einsatz, bei welcher die Verletzung des Stimmbandnervs gelegentlich ein Risiko darstellt. Auch ermöglicht die Lupenbrille die Verwendung noch kleinerer Instrumente. Die Lupenbrillentechnik setzt auch das um, was in der laparoskopischen Chirurgie (Schlüssellochchirurugie) schon Standard ist, nämlich die Vergrößerung der Strukturen zur besseren Darstellung. Die Videokamera bei der minimal invasiven Chirurgie ermöglicht die Verwendung kleinster Instrumente, die teilweise nur einen Durchmesser von 2 mm aufweisen.

Lupenbrillentechnik
Sanfte Ultraschall-Koagulation

Schonendes Operieren bedeutet auch blutarmes Operieren. Insofern bemühen sich die Chirurgen, durch konsequentes Aufsuchen möglicher Blutungsquellen und deren sofortige Versorgung schon kleinste Blutungen zu vermeiden Dies geschieht chirurgisch durch Umstechungen, Unterbindungen (Ligaturen) und Elektrokoagulation. Außerden steht ein Argon-Beamer zur Verfügung. In vielen Fällen kommt zur sanften Koagulation ein Ultraschallinstrument zur Anwendung mit der Möglichkeit der gezielten Durchtrennung von Geweben und der Verschorfung bis zu mehreren Millimetern starker Gefäße, ohne dass diese gesondert ligiert werden müssen.

Ein weiterer Einsatzbereich der Ultraschallkoagulation (z. B. Harmonic-Skalpell) ist die Leberchirurgie, bei der auf Grund des Blutreichtums des Organs und der besonderen Gewebsverhältnisse eine hohe Blutungsneigung besteht. Durch den Ultraschall-Dissektor kann Lebergewebe sehr schonend durchtrennt werden, so dass nur noch die großen Gefäße durchstochen werden müssen.

Hämostyptika, kein Fremdblut

Sollte es dennoch zu Sickerblutungen kommen, werden diese durch das Aufbringen von lokalen blutstillenden Produkten behandelt. Hierzu dient z. B. die Sprühkoagulation von Gewebeklebern oder die Aufbringung von gerinnungsaktiven Substanzen in resorbierbaren Netzen und Kollagen-Vliese. Die Verwendung derartiger Produkte ist zwar zeitintensiv und kostenaufwendig, sie verbessert jedoch den Operationserfolg, da in Studien gezeigt werden konnte, dass große intraoperative Blutverluste mit der Notwendigkeit der Bluttransfusion negative Auswirkungen auf das Operationsergebnis haben. Natürlich werden nicht immer Situationen vermeidbar sein, in denen eine Bluttransfusion erforderlich ist. Für einen sehr breiten Übergangsbereich kann das beschriebene gewebeschonende Operieren jedoch die Notwendigkeit der Fremdblutübertragung auf ein Minimum reduzieren.