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Endoprothetik (Einsatz künstlicher Gelenke)

Ein künstliches Hüftgelenk kommt zum Einen dann in Frage, wenn die Zerstörung der Hüfte so groß ist, dass ein Gelenk erhaltender Eingriff nicht mehr sinnvoll ist. Zum Anderen ist der Ersatz des Hüftgelenks sinnvoll, wenn die Beschwerden des Patienten beim Laufen oder auch schon in Ruhe so stark zugenommen haben, dass es zu einer Funktionseinschränkung oder einer Einschränkung der Lebensqualität gekommen ist. Der häufigste Grund für den Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes ist die Coxarthrose.
Die Orthopädische Klinik führt ca. 400 Hüftprothesenoperationen pro Jahr durch. Hierbei wird großer Wert auf eine minimalinvasive Operationstechnik gelegt, die eine rasche Heilung und Rehabilitation ermöglicht. Bei der Operation werden stets bewährte Prothesenmodelle, die eine lange Standzeit und großen Bewegungsumfang ermöglichen, genutzt. Abhängig von der Knochenqualität wird die Prothese zementfrei oder zementiert eingesetzt. Die Standard-Implantate sind nickelfrei.
Vor dem Eingriff erfolgt eine detaillierte Operations-Planung anhand digitaler Röntgenbilder. Ein bestehender Beinlängenunterschied wird nach Möglichkeit ausgeglichen.

Der Operationsablauf

Die Hüftgelenkersatz-Operation wird für den Patienten völlig schmerzfrei in Vollnarkose durchgeführt. Vollnarkose in der Regel deswegen, da der Patient während der Operation auf der Seite gelagert wird. In ausgewählten Fällen ist jedoch auch eine Teilnarkose möglich, wenn die Operation in Rückenlage durchgeführt wird. Der Anästhesist wird die individuell geeignete Methode festlegen und mit dem Patienten besprechen.
Die Operation dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Nach dem Hautschnitt wird mit speziellen Wundhebeln die Muskulatur zur Seite gehalten und dadurch das Hüftgelenk dargestellt. Der Oberschenkelhals wird durchtrennt und der erkrankte, zerstörte Hüftkopf entfernt. Zur Vorbereitung für den Einsatz des künstlichen Hüftgelenks wird die kranke Hüftpfanne präpariert. Die künstliche Hüftpfanne wird in das vorbereitete Lager belastungsstabil eingesetzt.
Danach wird der Markraum des Oberschenkelknochens vorbereitet, so dass der Schaft exakt eingepasst werden kann. Auf den Prothesenschaft wird der Prothesenkopf aufgesetzt. Nun kann das Gelenk wieder eingerenkt werden. Nach einer Röntgenkontrolle im Operationssaal zur Qualitätskontrolle wird die Wunde wieder verschlossen.

Hüftprothese

Beispiel einer zementfreien Hüftprothese:
links Planungsbild, rechts Hüftprothesenimplantation (Bilder: Orthopädie)

Nachsorge

Im Krankenhaus lernen die Patienten, mit Hilfe des Physiotherapeuten, das Gelenk wieder zu benutzen, so dass nach der Entlassung die täglichen Verrichtungen des Lebens, z.B. Körperwäsche und Anziehen, wieder selbständig erledigt werden können. Durch die Hüftgelenkoperation können die Patienten ihr Leben wieder schmerzfrei und mit mehr Bewegung genießen. Nicht vergessen werden sollten die regelmäßigen Nachuntersuchungen, die immer in den Prothesenpass eingetragen werden sollten. Dieser wird den Patienten nach der Operation ausgestellt. 

Positive Verhaltensweisen

  • Schwimmen und Radfahren
  • Spaziergänge
  • Sportarten mit leichten körperlichen Bewegungen, z.B. Tanzen, Ski-Langlauf, Golf, leichte Gymnastik etc.
  • Tragen von Schnürschuhen mit weichen, elastischen Sohlen
  • Richtiges Anziehen der Schuhe
  • Gymnastik und Bewegung

Mit leichten physiotherapeutischen Übungen lernen die Patienten bereits im Krankenhaus, ihr Gelenk wieder zu benutzen. Derartige Übungen sollten auch nach dem Krankenhausaufenthalt zur Gewohnheit werden.


Negative Verhaltensweisen
In den ersten 12 Wochen nach der Operation sollten alle extremen Belastungen der Hüfte vermieden werden:

  • Sportarten mit ruckartigen Stoß- und Schwerbelastungen auf das Hüftgelenk, z.B. Tennis, alpiner Skilauf, Jogging, Sprungsportarten, Heimfahrradtrainer gegen Widerstand etc.
  • Schwere körperliche Arbeiten
  • Heben schwerer Lasten
  • Arbeiten in häufig ungünstiger Körperhaltung sowie bei Nässe und Feuchtigkeit
  • Sitzen auf niedrigen Stühlen oder tiefen Sesseln, da hierbei das Hüftgelenk übermäßig gebeugt wird
  • Sitzen mit überschlagenen Beinen
  • In die Hocke gehen
Revisionsendoprothetik (Wechseloperationen künstlicher Hüftgelenke)

Die Orthopädische Klinik führt auch Wechseloperationen künstlicher Hüftgelenke durch. Trotz sehr guter Materialeigenschaften der Kunstgelenke sind Lockerungen von Prothesen zu beobachten. Die Standzeit von Hüftprothesen beträgt im Durchschnitt ca. 15 Jahre. Körperliche Aktivität und Knochenqualität spielen eine wesentliche Rolle für die Standzeit. Eine Lockerung kann sich durch neue Schmerzen im Oberschenkel und der Leiste bemerkbar machen. Sintert die Prothese ein, kann auch ein Hinken auftreten und das Bein kürzer werden.
Je länger die Lockerung besteht, desto mehr leidet der Knochen unter dem lockeren Implantat. Er bildet sich zurück, so dass im weiteren Verlauf auch ein Knochenbruch entstehen kann. Daher werden regelmäßige Röntgenkontrollen nach einer Prothesenimplantation empfohlen, um rechtzeitig eine Lockerung diagnostizieren zu können. Bei neu auftretenden und anhaltenden Beschwerden sollte immer eine Röntgenkontrolle erfolgen. 
In fast allen Fällen lässt sich eine neue Hüftprothese einsetzen. Ggf. muss auf spezielle Implantate zurückgegriffen werden, um wieder eine stabile Verankerung erzielen zu können. Auch die Transplantation von Knochen kann notwendig sein. Dies betrifft in erster Linie Knochendefekte an der Gelenkpfanne. Die Orthopädische Klinik verfügt über eine eigene Knochenbank, so dass auch speziell aufbereiteter Fremdknochen zur Transplantation zur Verfügung steht.
Auch eine Protheseninfektion macht in der Regel eine Wechseloperation erforderlich. Hierbei wird „zweizeitig“ vorgegangen. In der ersten Operation wird das Implantat entfernt und Antibiotikaträger eingebracht. Nach Ausheilung der Infektion kann dann eine neue Prothese implantiert werden (siehe auch septische Orthopädie).