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Endoprothetik, Gonarthrose

Die Arthrose des Kniegelenkes (Gonarthrose) ist in den meisten Fällen verschleißbedingt. Im Rahmen einer Rheumaerkrankung führt eine anhaltende Entzündungsreaktion der Gelenkschleimhaut zu einer Knorpelschädigung. Bein-Achsfehlstellungen und Gewichtsbelastung können das Fortschreiten eines Gelenkverschleißes begünstigen.
Die Gonarthrose kann aber auch durch einen Unfall (posttraumatische Gonarthrose) entstehen. Seltenere Ursachen für einen Gelenkverschleiß sind Durchblutungsstörung und Infektion. Auch ein Tumor kann das Kniegelenk betreffen und zu einer Zerstörung des Gelenkes führen. Die Behandlung der Arthrose erfolgt stadiengerecht. Sind alle Möglichkeiten, das natürliche Gelenk zu erhalten, ausgeschöpft (siehe auch Behandlungsschwerpunkte „Knie-Knorpelchirurgie“ und „Allgemeine Arthrosetherapie“), kann die geschädigte Gelenkfläche durch ein Kunstgelenk ersetzt werden. Der femurale Anteil (Oberschenkel-Anteil) des neuen Kniegelenkes besteht in der Regel aus Metall. Der tibiale Anteil (Unterschenkel-Anteil) besteht aus einem hoch verdichteten, sehr beständigem Kunststoff. Er wird mit einem Metallimplantat im Unterschenkelknochen verankert. Es stehen verschiedene Implantate zur Verfügung, die je nach Ausmaß der Gelenkschädigung zum Einsatz kommen. Alle Implantate sind im Falle einer Metallallergie auch nickelfrei vorhanden. Vor der Operation erfolgt eine genaue Vermessung des Kniegelenkes anhand digital angefertigter Röntgenbilder.

Prothesenplanung

Die Prothesenimplantation wird anhand eines digitalen Röntgenbildes geplant (links), das Röntgenbild rechts zeigt die zugehörige Implantatlage eines bikondylären Oberflächenersatzes nach der Operation. (Bilder: Orthopädie)

Computernavigierte Knieprothesenimplantation

Neben der konventionellen Prothesenausrichtung steht der Orthopädie ein computergestütztes Navigationssystem zur Verfügung. Hiermit wird während der Operation ein 3-dimensionales Modell des Beines erstellt und die Implantatlage überprüft. Das System wird auch bei komplexen Fehlstellungen des Kniegelenkes und Beines eingesetzt.

Prothesentypen

Unikondylärer Oberflächenersatz (Hemischlitten)

Ist nur der innere Anteil des Kniegelenkes betroffen, kann unter gewissen Voraussetzungen auch nur dieser durch das Implantat ersetzt werden. Ein wesentlicher Vorteil ist die sehr gute Beweglichkeit bei weitgehender Erhaltung des natürlichen Bewegungsablaufes des Knies.

Ersatz des verschlissenen inneren Gelenkanteiles mit einem Hemischlitten (Bilder: Orthopädie)

Individuell angefertigter Oberflächenersatz

In gewissen Fällen kann anhand einer Computertomografie eine Knieprothese individuell angefertigt werden. Sonderanfertigungen können vor allem dann sinnvoll sein, wenn der Gelenkschaden zu groß für einen unikondylären Oberflächenersatz und zu gering für eine Totalendoprothese ist. Hiermit ist z.B. auch ein maßgeschneiderter Ersatz des Gleitlagers möglich.

Individuell angefertigter Oberflächenersatz, der äußere Gelenkanteil wurde in diesem Fall nicht ersetzt.
(Bilder: Orthopädie)

Bikondylärer Oberflächenersatz (Totalendoprothese)

Bei einer Arthrose, die das gesamte Knie betrifft, wird diese Prothese verwendet. Optional kann auch die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt werden. Eine wesentliche Voraussetzung für diesen Prothesentyp ist eine noch ausreichende Stabilität des Gelenkes.

Kompletter Oberflächenersatz mit einer totalen Knieendoprothese: Mit diesem Prothesentyp können die meisten Gonarthrosen behandelt werden. Voraussetzung ist eine ausreichend stabile Bandführung des Kniegelenkes. (Bilder: Orthopädie)

Gekoppelte Knieprothese

Ist das Kniegelenk sehr instabil (locker) oder besteht bereits ein größerer Knochendefekt oder eine sehr ausgeprägte Achsfehlstellung, kann mit diesem Prothesentyp wieder ein belastungsfähiges Gelenk hergestellt werden. Die Prothese übernimmt durch einen Kopplungsmechanismus die Funktion der nicht mehr funktionstüchtigen Bänder. Bei größeren Knochendefekten kann die Prothese auch durch einen modularen Aufbau der Anatomie optimal angepasst werden.

Diese Prothese stabilisiert durch ein eingebautes Rotationsschaniergelenk das Knie und wird daher vor allem bei instabilen Kniegelenken verwendet. Sie kann auch bei Wechseloperationen angewendet werden. (Bilder: Orthopädie)

Modular gekoppelte Knieprothese

Der modulare Aufbau dieser Prothese lässt sich der Anatomie gut anpassen und erlaubt zudem den Ausgleich auch von größeren Knochendefekten. Die Prothese wird vor allem bei komplexeren Revisionen (Wechseloperationen) eingesetzt. (Bilder: Orthopädie)

Tumorprothese

Bei sehr großen Knochendefekten, wie auch nach Entfernung gelenknaher Knochentumoren kann mit dieser speziellen Prothese wieder eine gewisse Funktion und Belastungsfähigkeit hergestellt werden. (Siehe auch Kapitel „Tumororthopädie“)

Revisionsendoprothetik des Kniegelenkes

Trotz guter Standzeiten der Prothesen, lässt sich ein Wechsel des Implantates nicht immer vermeiden. Der häufigste Grund hierfür ist eine Lockerung der Prothese. Diese kann sich durch Schmerzen im Ober- und Unterschenkel bemerkbar machen. Die Lockerung führt zu einem zunehmenden Knochenverbrauch. Auch eine Bandinstabilität kann eine erneute Operation erforderlich machen. Hierbei muss nicht zwangsweise die gesamte Prothese gewechselt werden. Ist z.B. nur der Kunststoffanteil verschlissen, kann er ausgetauscht werden. Auch ein Teilwechsel z.B. nur des Unterschenkelanteiles der Prothese kann ausreichend sein, da nicht immer die gesamte Prothese gelockert ist. Modulare Komponenten stehen für diesen Fall zur Verfügung. Protheseninfektionen (siehe auch "septische Orthopädie") machen gegenüber einfachen Lockerungen eine längere Behandlung erforderlich. In der Regel wird zunächst das alte Implantat entfernt und durch einen Antibiotika-haltigen Platzhalter aus Knochenzement ersetzt. Durch eine mikrobiologische Untersuchung wird der Keim identifiziert und die gezielte Antibiotikatherapie durchgeführt. Nach ca. 6 Wochen Therapie wird eine erneute mikrobiologische Untersuchung durchgeführt. Ist diese negativ, kann die Implantation der neuen Prothese folgen. Dieses Vorgehen nennt man auch zweizeitigen Prothesenwechsel, da zwei Operationen erforderlich sind. Es ist langwieriger, bietet gegenüber dem einzeitigen Wechsel aber eine größere Sicherheit hinsichtlich der Keimfreiheit und wird daher an unserer Klinik favorisiert. In seltenen Fällen kann eine Versteifung (Arthrodese) des Kniegelenkes erforderlich sein.