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Alternativmedizin

Viele Patienten mit weit fortgeschrittenen unheilbaren Erkrankungen setzen verständlicherweise viel Hoffnung in unkonventionelle Methoden und greifen damit nach dem sprichwörtlichen „letzten Strohhalm“. Nicht wenige sind bereit, für fragwürdige Heilsversprechungen weite Fahrten auf sich zu nehmen und viel Geld auszugeben.

Diese „alternativen Therapie- und Diagnoseverfahren“ haben ganz unterschiedliche Namen, wie z.B. „alternative Heilmethoden“, „Ethnomedizin“, „sanfte“ oder „grüne Medizin“, „Komplementärmedizin“, „Allopathie“, „Naturheilverfahren“, „naturgemäße Heilweisen“, „unkonventionelle Untersuchungs- und Behandlungsmethoden“,„Ganzheitsmedizin“ oder „holistische Medizin“, „Erfahrungsmedizin“, „Volksmedizin“, „traditionelle Medizin“ und ähnliche. Abwertende Bezeichnungen sind „Paramedizin“, „Scharlatanerie“ oder „Quacksalberei.“ Allen gemeinsam ist, dass ihre Wirksamkeit nicht eindeutig mit wissenschaftlichen (schulmedizinischen) Kriterien nachweisbar ist.

Zunehmend setzen sich die Begriffe Alternativmedizin und komplementäre Medizin durch. Begrifflich ist zu beachten, dass sich die komplementäre Medizin ergänzend zur Schulmedizin versteht und die klassischen Naturheilverfahren, genau wie auch die Homöopathie, als Bestandteil der „Schulmedizin“ verstanden werden können, da sie auch Gegenstand der universitären Ausbildung sind. Aus den USA kommt der Begriff der „integrativen Medizin“, die unkonventionelle Bestandteile in schulmedizinische Behandlungen integriert. Dies geschieht mit dem Ziel, Symptome zu kontrollieren, Nebenwirkungen zu mildern und die Behandlungseffektivität möglichst zu steigern. Über diese Methoden liegen erste Studienergebnisse vor, so dass ihre Wirksamkeit bei unterschiedlichen Erkrankungen allmählich besser verstanden werden kann. Dies trifft beispielsweise für „Selen“ und „Mistelpräparate“ zu.

Der Begriff „alternative Medizin“ indes deutet eine Alternative zur Schulmedizin an. Eine unwirksame und nicht selten teure Methode ist gefährlich, wenn sie anstelle einer bewährten wirkungsvollen Methode angewandt wird und eine Heilungschance dadurch schlimmstenfalls verpasst wird. Daher muss vor einigen Methoden gewarnt werden. Manche Methoden können auch gefährlich sein und das Motto „wenn es vielleicht auch nicht wirklich hilft, so wird es auf alle Fälle nicht schaden“, trifft leider nicht immer zu.

Es wird angenommen, dass etwa 80% der Patienten, die an einer bösartigen Erkrankung leiden, alternative oder komplementäre Methoden anwenden. 70% von diesen Patienten sprechen meist gar nicht mit ihren „schulmedizinischen“ Ärzten über die zusätzlich angewandten Methoden. Sie haben Sorge, dadurch Nachteile zu bekommen oder glauben einfach, der „schulmedizinische“ Arzt interessiere sich nicht dafür, kenne sich damit sowieso nicht aus oder dass es ihn gar nichts anginge. Da es aber direkte Neben- und Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und, im Rahmen einer unkonventionellen Therapie verabreichten, Stoffen geben kann, ist es sehr wichtig, dass alle Beteiligten über die eingeleiteten Maßnahmen informiert werden. Viele pflanzliche Stoffe (z.B. Gingko, Johanniskraut, Echinacea, Ginseng usw.) weisen Wechselwirkungen mit Medikamenten auf und können beispielsweise Chemotherapien inaktivieren oder die Nebenwirkungen verstärken. Andere pflanzliche Stoffe (z.B. Kava) haben keine antitumoröse Wirkung, können dagegen aber schwere Leberschäden auslösen. Auch können falsch angewandte Vitaminpräparate schädlich sein. Beispielsweise können hochdosierte Vitamin A Einnahmen das Tumorwachstum anheizen. Manche propagierte „Krebsdiäten“ sind so einseitig, dass gefährliche Mangelerscheinungen drohen.

Wichtig ist, dass, sofern ein Patient die Anwendung komplementärer Methoden wünscht, diese sinnvoll mit der wissenschaftlich fundierten Vorgehensweisen kombiniert werden und im Vorfeld geprüft wird, dass von ihnen kein Risiko ausgeht. Im Sinne einer integrativen Medizin kann der Patient profitieren, indem sein Beitrag zum Heilungsprozess gestärkt wird (z.B. durch bewusste Ernährung, Stressmanagement und Entspannungstechniken, physikalische Maßnahmen oder Maßnahmen, die die Verträglichkeit von Chemotherapie oder Bestrahlung verbessern helfen).

Oft ist es für Laien schwer, zwischen wissenschaftlich begründeten Methoden und fragwürdigen unseriösen „Therapien“ zu unterscheiden. Es gibt eine Grauzone zwischen wissenschaftlicher und paramedizinischer Forschung. Oft werden wissenschaftliche Tatsachen mit falschen Schlussfolgerungen als theoretischer Hintergrund von Therapien genannt oder ähnlich klingende oder nur naturwissenschaftlich klingende Begriffe benutzt, um einen seriösen Anschein zu geben. Stutzig werden manche nur dadurch, dass die angepriesene Methode nur Erfolge zu verbuchen habe, dass sie sehr teuer und komplett vom Patienten zu bezahlen ist, nur an bestimmten Orten möglich ist oder nur bestimmte Personen sie durchführen können und die Methode angeblich von der übrigen Ärzteschaft bekämpft und verleumdet werde.

Ein Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und betreuenden Onkologen ist in dieser schwierigen und bedrohlichen Lebenssituation unabdingbar, um sicherzustellen, dass dem Patienten keine Heilungschancen genommen werden und eine wirklich optimale und im wirklichen Sinne ganzheitliche Behandlung ermöglicht wird.

Weitere Informationen zu dem sehr weiten Feld der komplementären Medizin können unter diesen Links gefunden werden: