Klinikum Bielefeld bietet weiteres modernes Verfahren zur Bestrahlung von Lebertumoren an
Am 28. Oktober 2026 ist am Klinikum Bielefeld - Mitte erstmals eine „selektive interne Radiotherapie“, kurz SIRT, zur Behandlung eines Patienten mit Lebermetastasen durchgeführt worden. Mit dem Verfahren erweitert das Klinikum seine hochspezialisierten Möglichkeiten, Krebsansiedlungen in der Leber gezielt zu behandeln.
Das Prinzip der SIRT lässt sich einfach erklären: Winzige Kügelchen tragen eine radioaktive Substanz über die Blutgefäße bis in das erkrankte Gewebe. Dort geben sie ihre Strahlung ab und schädigen und zerstören die Tumorzellen. Die Bestrahlung erfolgt also im Körper, unmittelbar am Behandlungsort. Für den Eingriff ist keine offene Bauchoperation nötig. „Weil ihre Reichweite im Gewebe gering ist, lässt sich die Wirkung auf die Zielregion konzentrieren, von der hochwirksamen Strahlung dringt nichts aus den behandelten Patienten heraus. Gesundes Lebergewebe wird dabei weitgehend geschont. Das Verfahren nutzt aus, dass viele Lebertumoren und Metastasen besonders stark über die Leberarterien versorgt werden, während das gesunde Lebergewebe über ein anderes Gefäßsystem versorgt wird“, erläutert Prof. Dr. med. Nasreddin Abolmaali, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Klinikum Bielefeld.
Der erste Patient, der am Klinikum Bielefeld mit dem Verfahren behandelt wurde, wird von der Universitätsklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Klinikum Bielefeld – Rosenhöhe betreut. Direktorin Univ.-Prof. Dr. med. Selma Ugurel fasst den Fall zusammen: „Behandelt wurde ein spezieller Fall: Ein Patient mit Lebermetastasen eines Uveamelanoms. Ein Uveamelanom ist ein seltene Variante des schwarzen Hautkrebses, der aus den pigmentbildenden Zellen im Inneren des Auges entsteht. Das Uveamelanom bildet sehr häufig Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, in der Leber aus. „Die Behandlung dieser Lebermetastasen ist entscheidend für den weiteren Verlauf der Erkrankung und für das Überleben der betroffenen Patienten. Unser Patient erhält in der Hautklinik eine kombinierte Immuntherapie aus zwei Medikamenten. Trotz der hohen Wirksamkeit der Medikamente reicht die Immuntherapie beim besonders aggressiven Uveamelanom oftmals alleine nicht aus, um die Lebermetastasierung in Schach zu halten. Hier kommt die Kombination mit einem gezielt das Tumorgewebe zerstörenden Verfahren, wie der innovativen SIRT, ins Spiel.“
Interdisziplinäre Zusammenarbeit für bestmögliche Behandlungsergebnisse
Voraussetzung für den Einsatz der SIRT ist die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche. Im onkologischen Tumorboard, einer gemeinsamen Fallkonferenz, werden die Befunde zusammengetragen und die Behandlungsmöglichkeiten gegeneinander abgewogen. Fachklinik, Nuklearmedizin, interventionelle Radiologie sowie Medizinphysik sind ebenfalls gefragt. Erst das Zusammenspiel dieser Fachgebiete ermöglicht die individuell geplante Therapie. Entscheidend für die Entscheidung zur Durchführung sind unter anderem die Ausbreitung der Erkrankung, der Zustand der Leber, bisherige Therapien und die Belastbarkeit des Patienten. So können nicht nur Lebermetastasen, sondern auch alle Formen von Leberkrebs behandelt werden. Mit der SIRT können in besonderen Fällen sogar große Operationen vermieden werden oder die Zeit bis zu einer evtl. erforderlichen Lebertransplantation überbrückt werden.
Für die Einführung des SIRT-Verfahrens am Klinikum Bielefeld war umfangreiche Vorarbeit erforderlich: Das Klinikum musste für die Anwendung ein mehrstufiges behördliches Genehmigungsverfahren durchlaufen, zudem stellt der Umgang mit radioaktiven Stoffen besondere Anforderungen an Strahlenschutz, Räume, Qualifikation und Arbeitsabläufe. „Mit der ersten Anwendung am Klinikum Bielefeld - Mitte steht unserem Team nun eine moderne und hochspezialisierte Möglichkeit zur Verfügung, ausgewählte Patienten mit Tumoren in der Leber zu behandeln. Für Betroffene in Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe erweitert sich damit das hochqualitative regionale Behandlungsangebot“, fasst Geschäftsführer Michael Ackermann zusammen.
Für die Patienten beginnt die Vorbereitung dieser neuen Behandlung mit einer gründlichen Voruntersuchung. Für die eigentliche SIRT ist am Klinikum Bielefeld ein dreitägiger stationärer Aufenthalt vorgesehen. Währenddessen wird die Behandlung durchgeführt und der Patient anschließend auf der Station der Nuklearmedizin unter Einhaltung besonderer Strahlenschutzmaßnahmen überwacht. Der kurze Krankenhausaufenthalt ist damit Teil eines längeren und komplexen Behandlungskonzepts, zu dem auch regelmäßige Verlaufskontrollen gehören. „Die SIRT wird meist gut vertragen. Anders als bei einer klassischen Chemotherapie werden dabei keine Zellgifte im gesamten Körper verteilt. Typische chemotherapiebedingte Beschwerden wie Haarausfall treten bei der SIRT deshalb nicht auf. Nebenwirkungsfrei ist die Methode jedoch nicht. Deshalb werden die Patienten im interdisziplinären Team eng überwacht“, so Prof. Abolmaali.
Veranstaltung „UK OWL gegen Krebs“ am 14. November 2026
Im Rahmen des 1. Patienteninformationstages „UK OWL gegen Krebs“ können Interessierte die Experten vom Klinikum Bielefeld live erleben und ins Gespräch kommen.
„UK OWL gegen Krebs“
Samstag, 14. November 2026, 11:00 bis 16:00 Uhr
Universität Bielefeld, Hauptgebäude EG
Teilnahme kostenlos, alle Informationen unter: ukowl-gegen-krebs.de